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Macht Kaffee süchtig? |
Macht Kaffee süchtig?
Kann es eine Sucht nach Koffein geben? Wird der Vieltrinker süchtig nach Kaffee? Auch diese Frage wird immer wieder gestellt. Die Antwort ist ein klares Ja und Nein.
Denn einerseits ist Sucht eine Definitionsfrage, und die hier zuständige Behörde, die WHO (World Health Organization), hat Koffein nicht als suchterzeugende Droge eingestuft. Trotzdem erleben sich viele Kaffeetrinker als süchtig, weil sie ohne ihren Kaffee morgens nicht wach werden, keinen Stuhlgang haben oder das "Nachmittagsloch" nicht überstehen. Auf physiologischer Ebene ist die Entstehung der Toleranz unbestritten, ebenso das Auftreten von Entzugserscheinungen. Doch reicht dies nicht aus, um Koffein zu ächten, denn es fehlen andere Kriterien, die es von Rauschdrogen unterscheiden. Dazu gehört vor allem antisoziales Verhalten (Alkoholiker und Heroinsüchtige können im Rausch ihre Familien zerstören oder kriminell werden), Arbeitsunfähigkeit und über längere Zeit unbezwingbares Verlangen nach dem "Stoff" (vgl. A. Nehlig, Coffee and Caffeine Dependence, Vortrag auf der ASIC-Konferenz in Kenia, Juli 1997).
Andererseits sprechen Pharmakologen und Psychiater von einer geradezu universellen Koffein-Abhängigkeit (z.B. Prof. Dr. W. Zieglgänsberger vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, vgl. auch Robert M. Julien, Drogen und Psychopharmaka). Koffein wird weltweit regelmäßig von den meisten Erwachsenen genossen und hat offensichtlich eine verhaltensverstärkende Wirkung (d.h. es wird immer wieder eingenommen). Da aber keine gesundheitlichen Schädigungen zu erwarten sind, ist die "ganz normale" Abhängigkeit von Koffein kein gesellschaftliches Problem. Interessant ist auch, daß eine Koffeinvergiftung durch normales Kaffeetrinken noch nie dokumentiert wurde, instinktiv werden zu hohe Dosen auch von "süchtigen" Kaffeetrinkern gemieden.
In diesem Zusammenhang wurde 1994 an der Eidgnössischen Technischen Hochschule in Zürich ein interessanter Versuch unternommen.
Getestet wurden zwei Gruppen von Versuchspersonen, alle starke Kaffeetrinker. Die eine Gruppe trank keinen Kaffee mehr, erhielt aber geschmacklose Koffeintabletten in der gewohnten Dosis zum Einnehmen. Die andere Gruppe trank mehrere Tassen koffeinfreien Kaffee pro Tag.
Erwartungsgemäß hatte die zweite Gruppe deutliche Entzugserscheinungen, das Koffein fehlte ja. Trotzdem wuchs in dieser Gruppe nicht das Bedürfnis danach, Kaffee zu trinken.
In der ersten Gruppe gab es aber ein sich steigerndes Bedürfnis danach, richtigen Kaffee zu trinken, obwohl die suchtverdächtige Substanz, das Koffein, eingenommen wurde.
Dies ist ein Indiz dafür, daß andere Faktoren wie Duft, Geschmack und soziale Riten eine große Rolle beim regelmäßigen Kaffeekonsum - der "Kaffeesucht" - spielen.
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